Schuljahr 1956 - 57 Zeitraum Oktober - Dezember

 

Montag, 1. Oktober 1956

Schüler sammeln Kartoffeln

  1. – Im Kreisgebiet sind gegenwärtig zahlreiche Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren als Hilfskräfte bei der auf Hochtouren laufenden Kartoffelernte tätig, weil nicht genügend Erwachsene dafür zur Verfügung stehen. Die kleinen, flinken Helfer gehen auf den Feldern hinter den automatischen Buddelmaschinen und sammeln die Kartoffeln auf. Nach Schätzungen nutzen gegenwärtig ca. 400 Jungen und Mädchen ihre Herbstferien für diese lohnende Beschäftigung. Sie erhalten einen Stundenlohn bis zu 90 Pfennig und gehen täglich mit einem Tagesverdienst von 5 bis 7 Mark nach Haus. „Ich habe mir schon 60 Mark verdient“, meinte ganz stolz ein 14jähriger Junge.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.10.1956

 

Donnerstag, 4. Oktober 1956

Oberprimaner im Bundestag

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  1. – Die beiden Oberprimen des Theodor-Mommsen-Gymnasiums kehrten von einem mehrtägigen Aufenthalt in Bonn zurück, wo sie auf Einladung des Stormarner Bundestagsabgeordneten Werner Schwarz (CDU) an einer Plenarsitzung des Bundestages teilgenommen und die Einrichtungen des Bundeshauses besichtigt hatten. Die 26 Jungen und Mädchen wurden von Oberstudiendirektor Staberock und Studienrat Dr. Marquardt betreut.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.10.1956

 

Freitag, 5. Oktober 1956

„Guten Tag, Herr Bundesfinanzminister!“

Oberprimaner besuchten das Bundeshaus in Bonn

Stormarns MdB Schwarz führte seine jungen Gäste in die parlamentarische Tagesarbeit ein

  1. – 26 Oberprimaner und Oberprimanerinnen des Theodor-Mommsen-Gymnasiums wurden auf Einladung des Stormarner Bundestagsabgeordneten Werner Schwarz bei einem mehrtägigen Aufenthalt in Bonn Zeugen des parlamentarischen Lebens im Bundeshause.

Der Bundestagsabgeordnete hatte kürzlich im Rahmen des Unterrichtsfaches „Gegenwartskunde“ vor den Oberprimanern über die Arbeit des Bonner Parlaments gesprochen und sich über die Aufgeschlossenheit der Schüler und Schülerinnen gegenüber den politischen Tagesfragen gefreut. Impulsiv hatte MdB Schwarz seine jungen Hörer zu einem Besuch nach Bonn eingeladen. Studienrat Dr. Marquardt, dem der lebensnahe Unterricht besonders am Herzen liegt, organisierte die Reise. Dank eines Zuschusses des Bundestages brauchte jeder Teilnehmer selbst nur noch 15 DM aufzubringen Außer Dr. Marquardt begleitete auch Oberstudiendirektor Staberock die beiden Oberprimen.

MdB Schwarz empfing seine jungen Gäste zunächst Im Fraktionszimmer der CDU und führte sie zunächst in die Bonner Atmosphäre ein. Damit sie die anschließende Plenarsitzung besser verstehen konnten, unterrichtete er die Schüler über die Probleme und Ergebnisse der letzten Sitzungen. Die Jungen und Mädchen stellten dabei viele Fragen und waren sichtlich sehr beeindruck von dem gehetzten Dasein eines Bundestagsabgeordneten, der von einer Sitzung in die andere saust.

Auf dem Flur zum Plenarsaal begegneten die Schüler Bundesfinanzminister Dr. Schäffer. „Guten Tag, Herr Bundesfinanzminister!“ begrüßten sie ihn freudig. Das Haupterlebnis war aber die Teilnahme an der Bundestagssitzung. Dreieinhalb Stunden lang saßen die Oldesloer Jungen und Mädchen auf den Zuhörerbänken und verfolgten mit Spannung die Debatten. Auf der Tagesordnung standen gerade: Ergänzungsnovelle zum Lastenausgleichsgesetz und die Räumung der Wehrmachtsliegenschaften in Schleswig-Holstein. Am Rednerpult erschienen u.a. Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm und Staatssekretär Dr. Hartmann vom Bundesfinanzministerium. Die Plenarsitzung leiteten Dr. Jäger (CDU) und Professor Carlo Schmid (SPD). Sichtlich abgespannt verließen die Oberprimaner die Sitzung.

Ein Ausflug an den Rhein und in das Siebengebirge sowie Besichtigungen des Palais Schaumburg und der Villa Hammerschmidt umrahmten den Bonner Aufenthalt. Begeistert waren die Oberprimaner von ihrer vorzüglichen Unterbringung in der neuen Bonner Jugendherberge auf dem Venusberg. Sie sahen noch das Beethoven-Haus und hatten Gelegenheit zu einer privaten Rheinfahrt.

Die Bonner Reise hat den Oberprimanern vor Augen geführt, daß die Politiker im Bundestag täglich ein hartes Stück Arbeit leisten und um die einzelnen Probleme oft schwer ringen müssen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.10.1956

 

Dienstag, 6. November 1956

Eine Welle des Mitgefühls für Ungarn

Gedenkstunde in den Schulen – Fürbittgottesdienst

  1. – Noch weitere zwei Tage werden die öffentlichen Gebäude anläßlich der tragischen Ereignisse in Ungarn halbmast flaggen. Heute gedenken alle Schulen der in Ungarn für die Freiheit gebrachten Opfer.

Auf Anordnung von Kultusminister Edo Osterloh finden in den oberen Klassen der Volks-, Mittel- und höheren Schulen während der vorletzten Schulstunde Gedenkfeiern statt. Die letzte Schulstunde ist dann unterrichtsfrei. Die Berufsschulen gedenken in der letzten Stunde der Ungarn-Opfer. Für die Klassen mit den sechs- bis 11jährigen Schülern und Schülerinnen fällt der Unterricht der letzten beiden Stunden aus.

In der Peter-Pauls-Kirche wird morgen um 20 Uhr ein Fürbittgottesdienst für die Opfer in Ungarn und in der übrigen Welt gehalten. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.11.1956

 

Mittwoch, 28. November 1956

Über die junge Generation

  1. – Auf einem Vortragsabend der VHS wird Regierungsrat Dr. Hessenauer, Referent im Kultusministerium und Landesvorsitzender der Europa-Union, morgen um 20 Uhr in der Kreisberufsschule über das Thema „Die junge Generation im östlichen und westlichen Europa“ sprechen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.11.1956

 

Donnerstag, 29. November 1956

Über die Jugend Osteuropas

  1. – In seinem Vortrag über „Die junge Generation im östlichen und westlichen Europa“ vor der Volkshochschule ging Regierungsrat Dr. Hessenauer, Kiel, u.a. auf die letzten Ereignisse in Polen und Ungarn ein. Er empfahl, die landläufige Auffassung, daß die Jugend der Ostblockstaaten der begeisterten Bannerträger der kommunistischen Ideologie sei, zu revidieren. An den Geschehnissen in Ungarn und Polen habe gerade die Jugend entscheidenden Anteil. Und auch in der Sowjetunion wachse eine sehr kritische Jugend heran. Die Mehrzahl der Zuhörer, unter denen man auch Bürgerworthalter Rosch, Bürgermeister Barth und Kulturausschussvorsitzenden Schömer sah, waren Jugendliche. Ihre Frage nach einem Weg zur Wiedervereinigung beantwortete Dr. Hessenauer mit der Versicherung, daß sie von einem Vereinigten Europa erreicht werden könnte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.11.1956

 

Donnerstag, 29. November 1956

Oratorium in der Aula

  1. – Die Theodor-Mommsen-Schule führt morgen um 19.30 Uhr in ihrer Aula das Oratorium „Samson“ von Georg Friedrich Händel auf. Das Oratorium schuf Händel im Jahre 1742, in dem auch der „Messias“ entstand. Es gehört mit zu seinen bedeutendsten Oratorienschöpfungen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.11.1956

 

Freitag, 30. November 1956

Theodor-Mommsen-Schule führte Händel auf

Hv. – Die ausgezeichnete festliche Aufführung des Oratoriums „Samson“ von Georg Friedrich Händel in der Aula des Gymnasiums war der musikalische Auftakt zu den Theodor-Mommsen-Festtagen.

Es sang der Chor der Theodor-Mommsen-Schule. Das auf Orchester umfaßte Lübecker und Oldesloer Instrumentalisten mit Hildegard Nölting am Cembalo. Als Gesangssolisten waren zu hören: Gertrud Fey, Sopran (Delila, Israelitin), Elisabeth Thomsen, Alt (Micha), Günther Pods, Tenor (Samson) und Jörn Harder, Baß (Manoah, Harapha). Die künstlerische Gesamtleitung lag in den Händen von Studienrat Fritz Alshuth.

Die umfangreiche musikalisch-erzieherische Arbeit des Leiters ist bereits … gewürdigt worden. Diese Aufführung zeigte wiederum den Erfolg dieser Arbeit.

Das Oratorium „Samson“, das Händel unmittelbar nach seinem „Messias“ schuf, behandelt das Thema der Gefangenschaft und des Todes des Samson. Die Chöre zeigten strahlenden Händel’schen Glanz und Prunk, den das Orchester mitreißend unterstützte, packend in der Dramatik und kontrastreich.

Die vier Solisten des Abends gestalteten die Handlung als deren Träger lebendig und überzeugend, klanglich gut abgewogen; sie trugen somit wesentlich zum vorwärtsdrängenden, eindrucksvollen Ablauf der oratorischen Handlung bei.

Alle Ausführenden belohnte langanhaltender herzlicher Beifall für diese festliche Stunde.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.12.1956

 

Sonnabend, 1. Dezember 1956

Parkverbot für Mißmutige

Heiteres Fest der Theodor-Mommsen-Schüler

  1. – Einen fröhlichen Abschluß der Festfolge zum Theodor-Mommsen-Tag des Gymnasiums bildete der Festball im „Oldesloer Hof“.

Nach der Begrüßung durch den Schulsprecher führten die beiden Unterprimen ein Schimpfspiel von dem schlesischen Barockdichter Andreas Gryphius „Herr Peter Sqenz“ auf. Diese tragische Komödie hat folgenden Inhalt: Eine Gruppe von ehrsamen Spießbürgern möchte vor ihrem König die klassische Liebestragödie „Pyramus und Thisbe“ des römischen Dichters Ovid aufführen. Doch diesem Vorhaben stellen sich erhebliche Schwierigkeiten in den Weg: Woher eine sprechende Wand, einen sprechenden Brunnen und Löwen, woher die zärtliche Geliebte Thisbe nehmen, da sie keine Frau unter sich haben; auch muß der Mond sich verfinstern, wenn Piramus sich ersticht. Die Art, wie diese Probleme von Gryphius gelöst wurden, rief bei den Zuschauern stürmische Heiterkeit hervor.

Mehrmals mußten anschließend die Darsteller noch vor dem Vorhang erscheinen.

Im weitaus längeren zweiten Teil spielte die Schulkapelle zum Tanz auf. So zahlreich waren besonders ehemalige Oberschüler erschienen. daß die Tanzfläche fast zu klein war, doch tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Auch sorgten parodistische Einlagen und vor allem die einfallsreiche Saalausschmückung für gute Laune. Da waren Schilder wie „Parkverbot für Mißmutige“ oder „Rock'n Roll nur mit Erlaubnis des Klassenlehrers“ und ein großes, von innen erleuchtetes TMS (Theodor-Mommsen-Schule) hing über der Tanzfläche, auf der bis in den frühen Morgen die Paare sich drehten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.12.1956

 

Mittwoch, 12. Dezember 1956

Finanzierung des Volksschulneubaues gesichert

  1. – Die Kosten des Volksschulneubaues hinter dem Stadion werden zu 46,5 Prozent von der Stadt und zu 53,5 Prozent von Land und Kreis aufgebracht. Der Zuschuß des Landes beträgt 246.000 DM, der des Kreises 30.000 DM. Die Stadtverordneten genehmigten die Aufnahme der Darlehen in Höhe von 185.000 DM bei der Kreissparkasse, 15.000 DM beim Kreis und 7500 DM beim Land. Die Gesamtkosten werden auf 503.000 DM veranschlagt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.12.1956

 

Donnerstag, 13. Dezember 1956

Weihnachtsmusik

  1. – Zwei Chöre konzertieren am abend in der Aula der Königin-Luise-Schule unter Leitung von Ulrich Riedell: der Schulchor und der Sing- und Spielkreis, dem ehemalige Schüler und Schülerinnen der Königin-Luise-Schule angehören. Nebenwerken alter Meister wird der Schulchor die Weihnachtskantate des zeitgenössischen Komponisten Petzold singen. Der Sing- und Spielkreis bringt u.a. die Buxtehude-Kantate „Wie soll ich dich empfangen“ zu Gehör. Das Konzert bietet einen Überblick über die musikpädagogische Arbeit in der Mittelschule von den jüngsten (Klasse 5b) bis zu den ältesten Schülern.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.12.1956

 

Montag, 17. Dezember 1956

Zweite Lehrerprüfung

  1. – Die Lehrerin Frau Hadumod Arps, Alte Stadtschule, bestand vor einer Prüfungskommission unter Vorsitz von Regierungs- und Schulrat Higelke die zweite Lehrerprüfung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.12.1956

 

Dienstag, 18. Dezember 1956

Zweite Lehrerprüfung bestanden

  1. – Die zweite Prüfung hat der Lehrer Walter Busch (Alte Stadtschule) vor der Prüfungskommission unter Vorsitz von Schulrat Heitmann gestern bestanden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.12.1956

 

Donnerstag, 20. Dezember 1956

Kein Vogelschießen ohne ihn

Konrektor Hahn unterrichtete zwei Oldesloer Generationen.

  1. – In die Erinnerung vieler Oldesloer tritt, wenn sie an ihre Schulzeit zurückdenken, das Bild ihres einstigen Lehrers an der Stadtschule, des Konrektors Friedrich Hahn. Morgen feiert er in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit in seinem Heim Lübecker Straße 101 seinen 80. Geburtstag.

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Konrektor i.R. Hahn ist Stormarner, geboren in Steinfeld. In Oldesloe bereitete er sich von 1892 bis 1894 auf der damals von Dr. Ferdinand Spanuth geleiteten Präparandenanstalt auf den Lehrerberuf vor. Anschließend besuchte er das Seminar in Uetersen. Am 1. Oktober 1903 wurde er als Lehrer an der Stadtschule eingeführt. 1929 ernannte ihn die Regierung zum Konrektor. Seine pädagogische Tätigkeit wurde nur durch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg, den er von Anfang bis zum bitteren Ende in Frankreich in den Reihen des 1. Garde-Fuß-Artillerie-Regiments mitmachte, unterbrochen.

In den langen Jahren seiner Wirksamkeit an der Stadtschule hat er als Lehrer treu und fleißig an der Erziehung und Bildung von zwei Generationen mitgearbeitet.

Am schwersten waren für den damaligen Leiter der Stadtschule die letzten Kriegstage 1945, als Tiefflieger die Schulkinder auf ihren Wegen und auch während des Unterrichts gefährdeten. Zwei Tage vor dem Großangriff – also rechtzeitig – schloß Konrektor Hahn den gesamten Unterricht.

Die Stadtschule war dann eine der ersten Schulen Stormarns, die schon im Frühsommer 1945 den Unterricht wieder eröffnete. Hunderte Flüchtlingskinder fanden in ihr die Bildungsstätte, die dort anknüpfte, wo die Flucht die Ausbildung unterbrochen hatte.

Am 1. November 1946 trat Konrektor Hahn nach 43jähriger Tätigkeit an der Stadtschule im fast vollendeten 70. Lebensjahr in den verdienten Ruhestand.

Außer in der Schule hat er sich vielseitig im Dienste der Stadt und der Öffentlichkeit betätigt. Vor der Machtübernahme war er mehrere Jahre Stadtverordnetenvorsteher. Im Jahre 1921 gründete er den Schrebergartenverein „Tegelhof“, den er seit jener Zeit ununterbrochen leitet.

Auch im Ruhestand ist er der Schule nicht fremd geworden. Wo er nur kann, steht er ihr mit Rat und Tat jeder Zeit zur Seite. Vor allem setzt er sich noch immer wie er es auch in seinen Berufsjahren tat, für das Kindervogelschießen ein und bereitet es aktiv mit vor.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.12.1956

 

Freitag, 21. Dezember 1956

Keine Weihnachtszeugnisse

lno. – In den Oberschulen Schleswig-Holsteins wird es auch künftig keine Weihnachtszeugnisse mehr geben, wie es bereits zum ersten Mal in diesem Jahr gehandhabt wurde. Kultusminister Edo Osterloh hält die vorherige Regelung für verfehlt, weil der Abstand zwischen dem Herbst- und Weihnachtszeugnis zu kurz war. Das Osterzeugnis soll, wie der Minister gestern in Kiel vor der Presse sagte, nicht die Leistungen des letzten Vierteljahres, sondern die der Schüler während des ganzen Jahres beurteilen. Schleswig-Holstein war das einzige Bundesland, in dem zu Weihnachten Zeugnisse ausgegeben wurden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.12.1956

 

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